Artikel Aachener Zeitung

Samstag, 1. Februar 2014
Aachener Zeitung – Stadt / Wirtschaft / Seite 6

Zwei Aufträge mit Perspektive

Geschäfte der Aachener Talbot Services GmbH laufen gut, die Belegschaft wächst kontinuierlich. „Wir haben uns einen guten Namen gemacht.“

VON BERTHOLD STRAUCH

Aachen. Die Geschäfte der aus dem Zugbauunternehmen Bombardier hervorgegangenen Talbot Services GmbH laufen immer besser. Sieben Monate nach der in hartem Kampf vollzogenen Loslösung bestätigte Geschäftsführer Dirk Reuters im Gespräch mit unserer Zeitung zwei Aufträge, die das neue Geschäftsfeld der Sanierung von Bahnfahrzeugen beleben und für eine längere Auslastung sorgen.

Bereits im Dezember war bekannt geworden, dass Talbot Services für die alte Konzernmutter in den Hallen an der Jülicher Straße zehn neue S-Bahn-Züge für den Einsatz im Raum Frankfurt am Main baut. Ein Auftragsvolumen von 8,5 Millionen Euro – mit der Option auf sechs weitere Züge. Jetzt geht es dort kurzfristig um das Aufpolieren von 45 Zügen des Typs GTW (Gelenktriebwagen) des Schweizer Herstellers Stadler Rail. Auftraggeber ist der private niederländische Betreiber Arriva. Die Arbeiten sollen Anfang März beginnen, 24 Wochen sind veranschlagt. Damit die Fahrpläne der im Limburger Raum verkehrenden Züge wegen fehlender Ersatzkapazitäten eingehalten werden können, seien wohl Wochenendarbeit und ein Drei-Schichten-System unerlässlich, kündigt Reuters an. Talbot Services soll sich um die Beseitigung von Korrosionsschäden kümmern, vor allem an den Fenstern der 40 oder 55 Meter langen Dieseltriebzüge. Die Aachener konnten diesen Auftrag der Gesellschaft Nedtrain, einer Tochter der niederländischen Eisenbahngesellschaft NS, wegschnappen. Das finanzielle Volumen beziffert Reuters auf rund 1,2 Millionen Euro.

Der zweite Auftrag könnte zu einem noch größeren Umfang anwachsen. Dabei geht es um die Aufarbeitung von zunächst 14 Züge des französischen Herstellers Alstom. Die Fahrzeuge des Typs ET 422 sind für die Deutsche Bahn im Nahverkehr im Raum Düsseldorf unterwegs. Auch dieser Auftrag über rund 600 000 Euro soll ab März über die Bühne gehen. Weitere Züge könnten folgen. Von bis zu 60 Exemplaren im Gesamtauftragswert von 2,2 Millionen Euro, die bis Mitte 2016 aufgefrischt werden sollen, sei die Rede, sagte Reuters. Die Entscheidung soll im dritten Quartal erfolgen.

Die Zahl der Mitarbeiter bei Talbot Services (einschließlich Leiharbeitskräfte) ist auf rund 300 angestiegen – mit wachsender Tendenz. Ende 2013 waren es noch 275. Reuters ist zuversichtlich, dass die aufgenommenen neuen Partnerschaften demnächst weitere Folgeaufträge nach sich ziehen. Die angekündigte 1,4 Millionen Euro schwere Investition in die Erweiterung der Schieneninfrastruktur auf dem Werksgelände habe damit volle Berechtigung. Reuters ist derzeit in weiteren Verhandlungen mit lukrativen neuen Partnern. Sein Fazit: Die Loslösung von Bombardier sei „ein Befreiungsschlag“ gewesen, die richtige Entscheidung: „Wir sind auf dem Markt der Schienenfahrzeuge präsent, haben uns bereits einen guten Namen gemacht.“