Artikel Aachener Zeitung

Dienstag, 22. April 2014
Aachener Zeitung

 Talbot setzt Millionendeal auf die Schiene

VON STEPHAN MOHNE

Aachen. An der Jülicher Straße ist kein Plätzchen (mehr) frei. „Ausgebucht“, meldet Dirk Reuters. Keine Halle, kein Büro auf dem 130.000 Quadratmeter großen Talbot-Gelände, die nicht genutzt würden. Hätte das vor einem Jahr jemand prophezeit, wäre er wohl ausgelacht worden.

Und selbst Reuters, Gründer, Geschäftsführer und Mitgesellschafter der noch nicht einmal ein Jahr alten Talbot Services GmbH, hätte das wohl kaum für möglich gehalten. Doch die „neue“ Talbot brummt derart, dass derzeit sogar mehrere Millionen Euro in die Hand genommen werden, um neue Infrastruktur zu schaffen und alte zu sanieren.

Mehr noch: Mittlerweile arbeiten im Traditionswerk, das bekanntlich 2012 unter dem Namen Bombardier kurz vor der Schließung stand, wieder 350 Menschen und damit 120 mehr als zum Start im vergangenen Jahr. Damit immer noch nicht genug: Reuters und Co. haben gerade einen Megadeal unter Dach und Fach gebracht, der enorme Perspektiven bietet.

„Das ist ein Superding“, freut sich Dirk Reuters entsprechend. Das neue Geschäft ist ein Rahmenvertrag mit dem Branchenriesen „Harsco Rail“ aus Pennsylvania/USA. Das Unternehmen (über 12.000 Mitarbeiter/mehr als zwei Milliarden Euro Jahresumsatz) ist Weltmarktführer bei „Erhaltungsfahrzeugen“, in der Eisenbahnsprache schlicht „Gelbe Fahrzeuge“ genannt.

Das sind Züge, die zur Verlegung, zur Reparatur und zur Wartung von Schienenstrecken eingesetzt werden und teils sogar eigene Wohncontainer für die Arbeiter beinhalten. Harsco, so Reuters, wolle in Europa noch stärker werden – und hat dazu Talbot als Exklusivpartner auserkoren. In Aachen werden zunächst 13 solcher Züge montiert.

Sie sind für die Schweiz bestimmt und werden im neuen Gotthard-Basistunnel, dem größten Eisenbahntunnel der Welt (Eröffnung voraussichtlich 2016), eingesetzt. Für Talbot sollen alleine bei diesem ersten Auftrag 3,5 Millionen Euro herausspringen. Dazu gibt es noch eine Option für elf weitere Züge – und alles, was Harsco demnächst in Europa so an Land zieht. „Wir freuen uns, mit der Talbot Services einen starken Partner für die Montage unserer neuentwickelten Fahrzeuge gefunden zu haben“, heißt es aus den USA.

Der Vertrag sei „der Grundstein für eine lange und erfolgreiche Zusammenarbeit“. Die Fahrzeuge werden bei Talbot betriebsbereit gemacht und von dort aus auch in die Schweiz gebracht. „Das war ein harter Kampf. Toll, dass es geklappt hat“, so der Geschäftsführer. Laut Reuters werde gar überlegt, auch den Rohbau nach Aachen zu verlegen.

Dirk Reuters sieht den Auftrag als weiteres Talbot-Standbein. Davon gibt es jetzt schon einige. Und zwar so viele, dass die gesamten 70.000 Quadratmeter Hallenflächen genutzt werden – plus einer 120 Meter langen Zelthalle, wo ebenfalls neue Aufträge (Lackierungen) abgearbeitet werden. „Das ist mehr als jemals bei Bombardier“, so der Geschäftsführer stolz.

Im Dezember beschloss man, neue Schienen zu einer Halle zu legen, um Platz für gekoppelte Züge zu haben. Kostenpunkt: 1,5 Millionen Euro. Die Verwaltung ist indes aufs Firmengelände gezogen. Das Talbot-Haupthaus an der Jülicher Straße aus den 1920er Jahren wird saniert. Kostenpunkt: mehr als zwei Millionen Euro. Für die Büros hat man schon potente Mieter.

Dasselbe gilt fürs benachbarte Ex-Garbe-Lahmeyer-Haus, wo sich „Streetscooter“ einquartieren wird und damit nahe an die Produktion der eigenen E-Mobile rückt, die bekanntlich ebenfalls bei Talbot Services über die Bühne geht. Darüber hinaus sind Flächen an namhafte regionale Firmen wie etwa FEV vermietet. Die Auftragsbücher sind indes gut gefüllt.

Für die Ex-Mutter Bombardier montiert man Bahnen, für die Ex-Konkurrenz Stadler und Alstom werden Züge saniert und modernisiert – um nur Beispiele zu nennen. Über die 230 Festangestellten der ersten Stunde neuer Talbot-Zeitrechnung hinaus gibt es laut Reuters bereits 45 befristete und einige neue unbefristete Arbeitsverträge. Dazu kommen „Leasingkräfte“. Im Sommer werden sechs Auszubildende fest übernommen.

Dennoch bleibt Dirk Reuters weiter vorsichtig, wenn es um Prognosen geht. „Unser Ziel bleibt es, die Strukturen hier am Standort halten zu können. Alles, was oben draufkommt, ist schön.“ Apropos: Schön ist die Entwicklung auch für die Mitarbeiter. Sie mussten zu Beginn Lohneinbußen als Kröte schlucken. Dafür wurde eine Beteiligung für den Erfolgsfall festgeschrieben. Dazu sagt Reuters: „Wir liegen voll im Plan.“ Und er fügt hinzu: „Den Neuanfang zu wagen, hat sich gelohnt.“

 

 

1 Antwort
  1. Geier
    Geier says:

    Wir wünschen den Kolleginnen und Kollegen von TALBO-SERVICES, nach der stressigen und unangenehmen Zeit, alles erdenklich Gute für den weiteren Aufstieg, die Festigung der Kundenbeziehungen und einfach Gesundheit, Frohsinn, gute Aufträge und alles, was sie sich sonst noch so wünschen.

    Für das Team von Gummi – Geier

    André Geier

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